Unser Lachen ist echt. Der Kampf dahinter auch.
10. Oktober 2026
Wenn man dieses Foto sieht, könnte man denken: Sie sind angekommen. Es geht ihnen wieder gut. Und ja, wir sind hier angekommen. Wir lieben unser neues Zuhause. Wir lieben diesen Ort, die neue Gemeinde, die vielen tollen Menschen, die wir hier kennenlernen durften.
Aber ein Foto zeigt immer nur einen Augenblick.
Es zeigt nicht, was wir in dieses Zuhause mitgebracht haben. Den Zusammenbruch meines Unternehmens. Den Verlust unseres Hauses. Die finanziellen Folgen, die uns die nächsten Jahre begleiten. Die Angst vor der Zukunft. Meine Erschöpfung nach Jahren, in denen ich immer nur versucht habe, irgendwie weiterzumachen. Den Glauben, unser erstes Enkelkind erst im Himmel wieder zu sehen.
Es zeigt nicht die Gespräche, die wir führen, wenn die Sorgen wieder zu groß werden. Nicht die Tage, an denen wir selbst nicht wissen, wie es weitergehen soll. Und auch nicht, wie viel Kraft es manchmal kostet, trotzdem wieder aufzustehen.
Ein Neuanfang ist keine weiße Seite - und auch nie wirklich „neu“. Man nimmt die alte Geschichte mit. Die Verluste, die offenen Fragen und all das, was noch lange nicht verarbeitet oder gelöst ist. Und trotzdem können darin schöne Momente entstehen.
Vielleicht vergessen wir das manchmal, wenn wir das Leben anderer von außen betrachten. Wir wissen nicht, womit ein Mensch wirklich kämpft - vielleicht sogar gerade um sein Leben.
Vielleicht trägst auch du etwas, das auf keinem Foto zu sehen ist. Vielleicht überrollen dich plötzlich Trauer oder Ängste, obwohl es „eigentlich schon viel besser“ ist. Dann weißt du nicht mal, wie du morgens aufstehen sollst - und dabei willst du noch deine Arbeit erledigen, für deine Familie da sein und für deine Mitmenschen ein Licht. Und du willst dankbar sein für die kleinen Dinge, die du so oft vergisst, weil sie so selbstverständlich sind. Aber du bist einfach nur müde.
Wir dürfen auch damit zu Gott gehen. Mit den Ängsten, Sorgen und all den Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Wir dürfen ihm sagen: Ich weiß gerade nicht weiter. Bitte hilf mir durch diesen Tag.
Mein Glaube nimmt mir die Sorgen nicht einfach ab. Aber ich weiß, dass Gott mich auch dann nicht verlässt, wenn ich selbst kaum noch Hoffnung habe. Dass ich ihn immer um Kraft bitten darf - auch für etwas so Kleines wie das Aufstehen am nächsten Morgen.
Unser Lachen auf diesem Foto ist echt. Die Sorgen auch. Wir wissen immer noch nicht, wie sich alles lösen wird. Aber ich möchte weiterleben, lieben, etwas Schönes erschaffen - mit unserer ganzen Geschichte und mit Gott, für den ich mich jeden Tags aufs Neue entscheide.
„Denn ich weiß ja, was ich mit euch vorhabe, spricht Jahwe. Ich habe Frieden für euch im Sinn und kein Unheil. Ich werde euch Zukunft schenken und Hoffnung geben. Wenn ihr dann zu mir ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, will ich euch hören.“
Jeremia 29,11-12
